The Descent – Horrorfilm für HartgesotteneUnterirdisch hausende Kreaturen gieren nach Menschenfleisch
Höhlenforscherinnen werden Opfer fleischfressender Kreaturen. Neil Marshalls klaustrophobischer Horrorfilm überzeugt durch bedrückende Atmosphäre, Härte und fiese Monster
Beklemmenden Horror im wahrsten Sinne des Wortes bietet der britische Horrorfilm „The Descent“. Dabei ist es weniger der Plot – Menschengruppe wird von unheimlichen Kreaturen bedroht -, als vielmehr der Schauplatz des Geschehens, der für Nervenkitzel und Grusel sorgt. Das Grauen lauert nicht über, sondern unter der Erde. Und es sind nicht die beängstigenden Höhlenbewohner alleine, die den Protagonisten das (Über-)leben schwer machen: Wenn sämtliche Masken der Zivilisation fallen, bahnt sich das zwischenmenschliche Grauen seinen Weg! „The Descent“ steigt in die Unterwelt hinabDie sechs befreundeten Frauen Sarah (Shauna Macdonald), Juno (Natalie Jackson Mendoza), Beth (Alex Reid), Rebecca (Saskia Mulder), Sam (MyAnna Buring) und Holly (Nora-Jane Noone) verabreden sich zu einem Abenteuer, das sie die Ängste und Schrecken des Alltags vergessen lassen soll. Sie wollen ein touristisch erschlossenes Höhlensystem aufsuchen und für ein paar Stunden alle Belastungen hinter sich lassen. Vor allem Sarah leidet unter einem Trauma, da ein Jahr zuvor ihr Ehemann und ihre kleine Tochter bei einem tragischen Autounfall ums Leben kamen. Die burschikose Juno führt die fünf anderen Frauen in das unterirdische Höhlensystem. Anfangs sind die Abenteuerinnen von der Stille und Entrücktheit des Ortes begeistert. Dies ändert sich jedoch schlagartig, als ihnen nach dem Einsturz einer Höhlenröhre der Rückweg verschlossen wird. Denn Juno hat die Freundinnen nicht in ein erschlossenes, sondern noch völlig unerforschtes Höhlensystem hinab geführt. Scheinbar haben die Frauen Glück im Unglück, da es offenbar noch einen weiteren Weg zurück an die rettende Oberfläche gibt. Was sie nicht ahnen: Perfekt an das unterirdische Leben angepasste Kreaturen sind ihnen bereits an den Fersen. Kreaturen, die nach warmem Fleisch gieren … Extrem spannende Flucht vor den Monstern der DunkelheitAuf den ersten Blick bietet Neil Marshall wohl bekanntester Film nichts Neues: Leute begeben sich unfreiwillig in Gefahr, müssen sich dieser stellen und ihrer Haut erwehren. Und dennoch gelingt ihm mit „The Descent“ eine unerhört clevere Variante des uralten Themas. Zum einen findet er einen idealen Schauplatz und nutzt die sich hieraus bietenden Möglichkeiten weidlich aus. Wenn eine der Protagonistinnen in einem engen Tunnel festsitzt und in Panik gerät, kann der Zuschauer die aufsteigende Verzweiflung nachvollziehen. Zum anderen verweigert sich Marshall den üblichen Genrekonventionen. Beispielsweise lässt er sich viel Zeit für den Aufbau der Geschichte, was den Schock über das unvermutete Auftauchen der bizarren Kreaturen nur verstärkt. Zusätzlich treibt der Film einen Keil zwischen die bereits von Anfang an brüchige Gruppe. Unter der Erde, weitab von den schützenden Wänden der Berghütte, in der sie noch zuvor genächtigt hatten, fern des Jeeps, der Handys und all den anderen Errungenschaften der Technik, fallen angesichts der Gefahr die Masken der Zivilisation. Keine Spur bleibt von der nötigen Einigkeit, um den Kreaturen zu trotzen. Der Mensch wird zu seinem eigenen schlimmsten Feind. Beängstigend realistische HorrorvorstellungWas „The Descent“ gegenüber vielen anderen Genrestreifen auszeichnet, ist zudem die Realitätsnähe. Die Protagonistinnen sind keine mit übermenschlichen Kräften oder Fähigkeiten ausgestatteten „Tomb Raider“-Figuren, sondern ganz gewöhnliche Frauen mit Stärken, wie auch Schwächen. Dadurch wird ihr Schicksal zur beängstigend realistischen Horrorvorstellung. Mit solchen Charakteren können sich viele Zuschauer besser identifizieren, als mit den gängigen Hollywoodfiguren. Auch wenn das Wort „Realismus“ in Zusammenhang mit fiktiven Monstern absurd anmuten mag: Besagte Wesen wirken durch den völligen Verzicht auf CGI-Effekte nicht nur glaubwürdiger als Phantasie-Ungeheuer aus dem Rechner, sondern erweisen sich als sehr klug durchdacht. Da kein Sonnenstrahl nach unten dringt, sind sie blind und Albinos, wie dies bei vielen Höhlenlebewesen der Fall ist. Menschsein wird zum NachteilRasch erweist sich: Die Menschen sind gegenüber den Höhlenbewohnern klar im Nachteil! Nur so lange die Batterien ihrer Taschenlampen halten sind sie im Stande, Widerstand zu leisten. Aber auch die Palette an menschlichen Gefühlen und Regungen erweist sich als Verhängnis: Die ausschließlich von Aufspüren und Töten von Beute beseelten Kreaturen der ewigen Dunkelheit kennen keinerlei menschliche Gefühle und orientieren sich schlichtweg am Kampf ums eigene Überleben. Die Parallelen etwa zu James Camerons „Aliens“ sind nicht zu übersehen: Die Einigkeit der Widersacher ist deren größter Vorteil. Dem stehen die von Gefühlen wie Neid oder Wut gesteuerten Menschen gegenüber. Perfekter Horrorfilm für schlaflose NächteIn jeglicher Hinsicht ist „The Descent“ jedem Horrorfilmfan ans Herz zu legen. Die hervorragenden Schauspielleistungen fügen sich ins intelligente Drehbuch nahtlos ein. Allerdings sollte der Zuschauer über starke Nerven verfügen, denn zimperlich geht es in „The Descent“ keineswegs zu. Weder die Monster, noch die Menschen schenken einander irgendetwas. Das Tüpfelchen auf dem i-Punkt stellt die grandiose musikalische Untermalung dar. Neil Marshalls Horrorfilm konnte wohl so manchem Zuschauer schlaflose Nächte bereiten und zählt mit „Martyrs“ zu den besten Genrebeiträgen der letzten Jahre. Originaltitel: „The Descent“ Regie: Neil Marshall Produktionsland und -jahr: GB, 2005 Filmlänge: ca. 96 Minuten Verleih: Universum Deutscher Kinostart: 10.11.2005 DVD-Veröffentlichung: 12.6.2006
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